Desinformation in der Sekundarstufe thematisieren: Trust-Checking als niederschwellige Form des Fact-Checking

26. Februar 2026: Nachdem wir in der vergangenen Woche gezeigt haben, wie das Thema Desinformation in der Grundschule aufgegriffen werden kann, möchten wir heute ein Unterrichtskonzept für die erste und zweite Sekundarstufe vorstellen. Es handelt sich um den Ansatz des Trust-Checking, den der Berliner Verein codetekt entwickelt hat.

Die klassische Faktenprüfung (Fact-Checking) stößt im Alltag schnell an ihre Grenzen. Um einzelne Behauptungen auf ihren Wahrheitsgehalt (wahr, falsch oder teilweise falsch) zu überprüfen, braucht es viel Zeit, Erfahrung und oft auch journalistische Expertise.

Beim Trust-Checking geht es nicht um die strikte, oft polarisierende Schwarz-Weiß-Logik von „wahr“ oder „falsch“, sondern um das Konzept der Vertrauenswürdigkeit. Die Schülerinnen und Schüler betrachten eine Nachricht als Gesamtbild. Ziel ist die Selbstbefähigung: Die Jugendlichen sollen nicht darauf warten, dass eine Autorität ihnen sagt, was richtig ist, sondern Werkzeuge an die Hand bekommen, um Informationen selbst einzuordnen. Am Ende steht eine Einschätzung auf einer Skala von „vertrauenswürdig“ bis „nicht vertrauenswürdig“.

Handwerkszeug für die Schülerinnen und Schüler: Die 5 Trust-Checking-Kriterien

Damit die Jugendlichen diese Einordnung selbstständig vornehmen können, nutzt das Trust-Checking fünf bewährte journalistische Qualitätskriterien:

  1. Quelle: Ist nachvollziehbar, woher die Informationen stammen? Die Schülerinnen und Schüler lernen, Originalquellen zu suchen und zu prüfen, ob die Aussagen im Text tatsächlich mit der Quelle (z. B. wissenschaftlichen Fachzeitschriften oder Behörden) übereinstimmen.
  2. Inhalte: Wie ist der Text geschrieben? Vertrauenswürdige Nachrichten sind objektiv und beleuchten verschiedene Positionen. Die Jugendlichen werden sensibilisiert, auf reißerische Headlines (Clickbaiting), extreme Superlative oder diskriminierende Sprache zu achten.
  3. Medium: Wer ist der Eigentümer oder die Eigentümerin der Website? Die Jugendlichen prüfen die politische und finanzielle Unabhängigkeit sowie das Impressum. Auch die Online-Präsenz (eine korrekte URL ohne kleine Abweichungen wie tagesshau.de statt tagesschau.de) wird untersucht.
  4. Zitate: Werden echte Personen mit vollem Namen zitiert und verfügen diese über Expertise auf dem jeweiligen Gebiet? Die Jugendlichen lernen zu prüfen, ob Zitate verkürzt oder aus dem Kontext gerissen wurden.
  5. Bilder & Videos: Da Bilder stark emotionalisieren, wird hier genau hingeschaut. Die Schülerinnen und Schüler lernen Methoden wie die Bilderrückwärtssuche kennen und achten auf Manipulationen, aus dem Kontext gerissene Bilder oder KI-generierte Inhalte (Deepfakes).

Das Unterrichtsmodul für Schulen

codetekt hat das Trust-Checking in ein Unterrichtsmodul (zwei Doppelstunden) übersetzt:

  • Doppelstunde 1: Die Klasse reflektiert zunächst interaktiv über ein „Standogramm“ im Raum ihren eigenen Medienkonsum. Nach der Begriffsklärung (Desinformation etc.) erarbeiten sich die Jugendlichen in Kleingruppen die 5 Kriterien anhand von echten Fallbeispielen.
  • Doppelstunde 2: Nun wird das Wissen angewendet. Mit dem Trust-O-Mat – einem Online-Quiz der Plattform – überprüfen die Schülerinnen und Schüler eigenständig authentische Fälle und schätzen deren Vertrauenswürdigkeit ein. Diese Fälle beinhalten einen Twitter-Post, einen Online-Artikel der Berliner Morgenpost sowie einen gefälschten t-online-Artikel. Einen ersten Eindruck vom Trust-O-Mat bekommen Sie hier.

Unsere Erfahrungen

Das Konzept der fünf Prüfkriterien, mit denen man Nachrichten und Meldungen auf ihre Vertrauenswürdigkeit überprüfen kann, finden wir kompakt und übersichtlich.

Obwohl codetekt seine Materialien bereits ab der 8. Klasse empfiehlt, raten wir zu einem Einsatz erst ab der 10. Klasse. Die Arbeitsblätter zu den einzelnen Kriterien sind hinsichtlich ihres Umfangs, ihrer Länge und der sprachlichen Komplexität durchaus anspruchsvoll. Auch die drei zu prüfenden Fälle des Trust-O-Mats sind recht weitreichend. Ihre Bearbeitung setzt eine Schülergruppe voraus, die über einen längeren Zeitraum selbstständig und strukturiert arbeiten kann.

Für jüngere bzw. weniger lernstarke Zielgruppen empfehlen wir, die Vermittlung der fünf Trust-Checking-Kriterien didaktisch etwas zu vereinfachen – beispielsweise im Rahmen eines kurzen Vortrags. Erfreulicherweise bietet codetekt mittlerweile auch eine kürzere, niederschwelligere Version des Trust-O-Mats an. Darin wird lediglich ein einzelnes TikTok-Video analysiert. Die Auswertung erfolgt auch hier anhand aller fünf Trust-Checking-Kriterien, welche im Laufe des Quizes noch einmal kurz und verständlich erläutert werden.

Alle Materialien sind kostenfrei und können über ein digitales Formular angefragt werden. Die Zugänge zu den beiden Versionen des Trust-O-Mats müssen separat über diesen Kontakt angefordert werden.

Gerne unterstützen auch wir Sie bei weiteren Fragen zur Umsetzung des Trust-Checking-Ansatzes im Unterricht und teilen unsere Erfahrungen mit Ihnen. Wir freuen uns über Ihre Kontaktaufnahme.