
26. Juni 2026: Mit dem Thema Mediennutzung beschäftigen wir uns im vierten und letzten Teil unseres Kindermedienschutzcurriculums, das wir gemeinsam mit Esslinger Grundschulen entwickelt haben. Zuvor haben wir bereits über die Unterrichtsmaterialien zum Datenschutz, Chatten und Fakes im Netz auf unserem Blog berichtet.
Die Unterrichtseinheit „Medien & ich“ richtet sich ebenfalls an Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 3 und 4 und bietet einen niedrigschwelligen Zugang zum Thema Mediennutzungsverhalten. Viele Kinder (aber natürlich auch Erwachsene) können nur schwer einschätzen, wie viel Zeit sie tatsächlich mit verschiedenen Medien verbringen. Die Grundlage der 90-minütigen Einheit ist daher ein Medientagebuch, das die Kinder bereits eine Woche vor der Durchführung täglich ausfüllen. Das Medientagebuch macht die eigene Mediennutzung sichtbar und schafft eine konkrete Gesprächsgrundlage.
Ziele der Unterrichtseinheit
Die Unterrichtseinheit verfolgt mehrere medienpädagogische Ziele:
- Die Schülerinnen und Schüler benennen Medien, die sie regelmäßig nutzen.
- Sie werden sich ihrer individuellen Nutzungszeiten und Nutzungsgewohnheiten bewusst.
- Sie erkennen Bedürfnisse und Situationen, die sie mit Medienkonsum verbinden.
- Sie lernen bildschirmfreie Alternativen kennen.
- Sie reflektieren mögliche Risiken übermäßiger Mediennutzung.
- Sie entwickeln Strategien für einen bewussten und ausgewogenen Umgang mit digitalen Medien.
Dabei steht nicht die Bewertung einzelner Medien oder Nutzungszeiten im Vordergrund. Vielmehr geht es darum, die eigene Mediennutzung wahrzunehmen und Handlungsmöglichkeiten kennenzulernen. Den schematischen Unterrichtsablauf finden Sie hier.
Wichtig: Wenn hier im Text von Medien die Rede ist, meinen wir digitale Bildschirmmedien und nutzen die Kurzform wegen der besseren Lesbarkeit.
Ablauf der Unterrichtseinheit
Einstieg: Was sind eigentlich Medien?
Zu Beginn werden verschiedene Medien anhand von Bildkarten gesammelt und gemeinsam benannt. Die Kinder setzen sich mit der Frage auseinander, was Medien überhaupt sind und welche Medien ihnen aus ihrem Alltag bekannt sind. An dieser Stelle ist es wichtig auf den Unterschied zwischen analogen und digitalen Medien hinzuweisen und Kindern bewusst zu machen, dass auch Sprache oder Handzeichen Medien sind, mit denen Informationen zwischen Menschen übertragen werden können.
Reflexion des Medientagebuchs
Im nächsten Schritt rückt das ausgefüllte Medientagebuch in den Mittelpunkt. Mithilfe einer Positionslinie oder markierten Polen im Klassenraum beantworten die Kinder Fragen zu ihrer Mediennutzung und tauschen sich darüber aus. Beispielsweise wird thematisiert:
- Wie leicht oder schwer das Führen des Medientagebuchs gefallen ist.
- Welche Medien besonders häufig genutzt werden.
- Ob Unterschiede zwischen Wochentagen und dem Wochenende bestehen.
- Welche Medienregeln in den Familien gelten.
- Wie die Kinder ihre eigene Medienzeit einschätzen.
Die Methode ermöglicht Bewegung, fördert die Beteiligung aller Kinder und macht unterschiedliche Erfahrungen innerhalb der Lerngruppe sichtbar.
Warum nutzen wir Medien?
Im Anschluss setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit den Gründen ihrer Mediennutzung auseinander. In Einzel-, Partner- und Plenumsphasen sammeln sie typische Situationen und Bedürfnisse, die hinter der Nutzung von Bildschirmmedien stehen. Dabei wird deutlich, dass Medien häufig genutzt werden, um beispielsweise:
- Langeweile zu überwinden,
- mit Freunden in Kontakt zu bleiben,
- Spaß zu haben,
- Neues zu lernen,
- sich zu entspannen oder
- kreative Ideen umzusetzen.
Die Ergebnisse können beispielsweise in einer Mindmap dokumentiert werden. Die kostenlose und datenschutzkonforme App TeamMapper finden Sie in Ihrem Edupool-Account.
Anschließend sammeln die Kinder auf einem Arbeitsblatt mediale Angebote und bildschirmfreie Alternativen und stellen sie jeweiligen Bedürfnissen gegenüber. Im abschließenden Unterrichtsgespräch sollten Sie thematisieren, dass digitale Medien viele Bedürfnisse erfüllen können, jedoch nicht immer die einzige oder beste Möglichkeit darstellen.
Mediensucht kindgerecht thematisieren
Ein weiterer Baustein der Unterrichtseinheit beschäftigt sich mit dem Thema Mediensucht. Anhand einzelner Szenen eines altersgerechten Beitrags von Tobi Krell alias „Checker Tobi“ (eingetteten Link siehe unten) setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit Fragen auseinander wie:
- Was bedeutet Mediensucht?
- Warum fällt es manchmal schwer, aufzuhören?
- Welche Rolle spielen Belohnungsmechanismen?
- Was bedeutet eine gute Balance zwischen Online- und Offline-Zeit?
Das anschließende Unterrichtsgespräch sollte sachlich und ohne Angst zu erzeugen geführt werden. Ziel ist es, die Kinder für mögliche Warnsignale zu sensibilisieren und ihre Selbstreflexion zu fördern.
Strategien für eine bewusste Mediennutzung
Zum Abschluss entwickeln die Schülerinnen und Schüler eigene Strategien für einen bewussten Umgang mit digitalen Medien. Sie reflektieren, woran sie erkennen können, wenn Mediennutzung zu viel Raum einnimmt, und sammeln hilfreiche Ideen für ihren Alltag. Dabei entstehen häufig Vorschläge wie:
- feste Medienzeiten mit Eltern vereinbaren,
- Zeitlimits mit Hilfe von Timern einhalten,
- andere Freizeitaktivitäten bewusst einplanen,
- Bildschirmmedien nicht unmittelbar vor dem Schlafengehen nutzen.
Eine Mindmap mit einer Auswahl unterschiedlicher Warnsignale vor zu viel Mediennutzung können Sie hier herunterladen und in TeamMapper importieren.
Kostenlose Materialien zum Download
Zur Unterrichtseinheit stellen wir alle benötigten Materialien kostenfrei zur Verfügung:
Verlaufsplan der Unterrichtseinheit
Arbeitsblatt Medienalternativen
Vorlage Mindmap
Wir freuen uns über Feedback zu unserem Unterrichtsmodul! Gern beraten und unterstützen wir Sie auch bei der Entwicklung und Implementierung eines eigenen Kindermedienschutzcurriculums.