Wenn Textilien leuchten und vibrieren – Nähen trifft Elektronik 

17. September 2026: Wie lassen sich Nähen, Textilien und Elektronik miteinander verbinden? Dieser Frage gingen wir mit Schülerinnen und Schülern der Klassen 6 bis 8 der Immanuel-Kant-Realschule in Leinfelden im Rahmen einer Projektwoche nach. Kurz vor den Sommerferien fand dazu ein Workshop statt, bei dem die Jugendlichen Schritt für Schritt in die Welt der sogenannten E-Textiles eintauchten.

Ziel des Workshops war es, klassische textile Techniken mit einfachen elektronischen Schaltungen zu verbinden. Dabei entstanden leuchtende Badges, aber auch ganz individuelle Projekte auf mitgebrachten T-Shirts, Caps oder Taschen.

E-Textiles verbinden die klassische Textilwelt mit Elektronik, Sensorik und digitalen Technologien und sind ein wachsendes Anwendungsfeld – von Sport und Medizin über Arbeits- und Schutzkleidung bis hin zu Mode und Mobilität. Damit eröffnen sie auch spannende Perspektiven für Schule und Berufsorientierung.

Der Einstieg: Ein Badge, das leuchtet 

Zum Einstieg bekamen die Schülerinnen und Schüler eine überschaubare Aufgabe: Aus Filz, einer LED, einem Batteriefach und leitfähigem Faden sollten sie ein eigenes elektronisches Badge gestalten. Wichtig ist es, spezielle Batteriefächer mit Annählöchern zu verwenden, an denen der leitfähige Faden befestigt werden kann.

Beim Arbeiten mit leitfähigem Faden gibt es allerdings einen wichtigen Unterschied zu herkömmlichen Kabeln: Leitfähiger Faden besitzt keine isolierende Ummantelung. Das bedeutet, dass sich die genähten Leiterbahnen nicht kreuzen und nicht berühren dürfen. Andernfalls entsteht ein Kurzschluss. Für die Schülerinnen und Schüler wurde dadurch aus dem Nähen gleichzeitig eine kleine Konstruktionsaufgabe: Wo muss die Leitung entlanglaufen, damit der Strom vom Plus- zum Minuspol gelangt, ohne dass sich die beiden Wege berühren?

Ein versehentlicher Kurzschluss ist bei einem solchen einfachen Aufbau zwar normalerweise kein großes Drama – die LED leuchtet dann nicht und die Batterie kann warm werden. Er bietet aber einen guten Anlass, gemeinsam zu überlegen, warum die Schaltung nicht funktioniert und was verändert werden muss.

Für den Einstieg benötigten die Schülerinnen und Schüler wenig Vorwissen. Zunächst wurde gemeinsam noch einmal der einfache Stromkreis wiederholt. Anschließend ging es direkt ans Ausprobieren. Einen einfachen Stich lernten die Jugendlichen schnell durch Learning by Doing.

Einen guten Zugang zum Thema E-Textiles bietet die englischsprachige Broschüre von LilyPad, einem Hersteller, der auf Komponenten für E-Textiles spezialisiert ist. Die bebilderten Anleitungen zu einfachen Knoten und Stichen können insbesondere beim Einstieg hilfreich sein.

Rückansicht der Badges mit den vernähten Batteriehaltern.

Welche LEDs eignen sich? 

Für E-Textiles gibt es spezielle LEDs mit Anschlüssen, die sich direkt mit leitfähigem Faden vernähen lassen. Es müssen jedoch nicht zwingend spezielle Komponenten verwendet werden: Auch ganz normale LEDs eignen sich für einfache Projekte.

Dafür können die beiden Anschlussdrähte der LED mit einer kleinen Zange zu kleinen Ösen oder Kringeln geformt werden. Durch diese lässt sich der leitfähige Faden führen und befestigen. Dabei ist wichtig, dass der Faden mehrfach verknotet und am Ende z. B. mit Heißkleber zusätzlich gesichert wird, denn der Faden löst sich leider recht schnell.

Eine fürs Annähen präparierte handelsübliche LED.

Challenge 2: Elektronik auf dem eigenen Kleidungsstück 

Nach dem erfolgreichen Einstieg wurde die Aufgabe anspruchsvoller. Für die zweite Challenge sollten die Schülerinnen und Schüler ein eigenes Textil mitbringen – beispielsweise ein T-Shirt, eine Cap oder eine Tasche. Dieses sollte mit elektronischen Funktionen erweitert werden.

Nun standen nicht mehr nur LEDs zur Verfügung. Die Jugendlichen konnten auch mit verschiedenen Aktoren experimentieren. So lassen sich beispielsweise Taster, Vibrationsmotoren oder Summer in textile Projekte integrieren.

Spezielle E-Textiles-Komponenten sind allerdings im Vergleich zu vielen handelsüblichen elektronischen Bauteilen verhältnismäßig teuer. Warum also die Bauteile nicht einfach selbst für textile Projekte anpassen? Hierzu brachten wir kleine 3D-gedruckte Trägerplattformen mit (zum Download der Druckdaten hier). Auf diesen kann ein handelsübliches elektronisches Bauteil – beispielsweise ein Taster, ein Vibrationsmotor oder ein Summer – mit Heißkleber befestigt werden.

Die elektrischen Kontakte beziehungsweise Kabel des Bauteils werden anschließend mit leitfähigem Klebeband verbunden und über die Öffnungen des Trägers geführt. Um den Zugang für Nadel und leitfähigen Faden zu ermöglichen, wurden anschließend kleine Löcher in das leitfähige Klebeband gebohrt. So lässt sich aus einem handelsüblichen elektronischen Bauteil mit einfachen Mitteln eine Komponente für ein E-Textile-Projekt herstellen.

Unsere selbstgebauten elektronischen Textilkomponenten.Von links: Summer, Taster, Vibrationsmotor

LEDs, Reihenschaltung oder Parallelschaltung? 

Die meisten Jugendlichen entschieden sich letztlich dafür, mehrere LEDs auf ihrer Textilie zu verwenden. Damit standen sie vor einer weiteren technischen Herausforderung: Wie müssen mehrere LEDs geschaltet werden, damit sie mit einer Knopfzelle funktionieren?

Für die verwendete Spannungsquelle reicht die Spannung bei einer Reihenschaltung nicht aus. Die LEDs mussten daher parallel geschaltet werden.

Auf diese Weise wurde aus der praktischen Gestaltung ganz nebenbei eine anschauliche Anwendung für den Unterschied zwischen Reihen- und Parallelschaltung.

Neue Zugänge zu Technik eröffnen 

Der Workshop zeigte auch, welches Potenzial E-Textiles für den Unterricht bietet. Die Verbindung von Nähen, Gestalten und Elektronik spricht unterschiedliche Interessen und Fähigkeiten an und schafft einen niedrigschwelligen Zugang zu technischen Fragestellungen.

Je nach Schülergruppe und Zeit wäre eine Erweiterung durch an den Textilien angebrachte Microcontroller möglich, die das Projekt durch Einblicke in das Programmieren erweitern würden.

Gerade für Mädchen können E-Textiles einen interessanten Zugang zu Technik und Elektronik eröffnen, weil technische Inhalte mit kreativer Gestaltung, Mode und eigenen Gestaltungsideen verbunden werden. Gleichzeitig profitieren alle Schülerinnen und Schüler davon, dass unterschiedliche Kompetenzen – vom handwerklichen Arbeiten über kreatives Gestalten bis hin zum technischen Problemlösen – zusammenkommen.

Materialliste 

Nähnadeln 

Faden und Stickgarn 

Leitfähiger Faden 

Weiteres Nähzubehör wie Textilmarkierstifte, Scheren, Textilkleber, Stecknadeln 

Druckkopfzange und Druckknöpfe 

Filz oder anderer Stoff bzw. Stoffreste 

Schnittmuster oder Stift und Papier für eigene Schnittmuster 

Ggf. Selbst mitgebrachte Textilien wie Caps, Stofftaschen, T-Shirts etc. 

Elektronische Aktoren wie Taster, Vibrationsmotoren, LEDs, Summer usw. 

Batteriefach (am besten mit Schalter) zum Annähen 

Heißklebepistole mit Unterlagen

Wenn Sie mehr über das Projekt erfahren möchte, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.