Ist das fake? – Desinformation im Internet erkennen lernen in der Grundschule

13. Februar 2026: Im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz wird es immer schwieriger, im Internet Wahrheit von Lügen oder Halbwahrheiten zu unterscheiden. Besonders in sozialen Medien verbreiten sich Falschnachrichten schnell: Es gibt kaum Gatekeeper, Inhalte werden algorithmisch bevorzugt ausgespielt, wenn sie reißerisch oder stark emotionalisierend sind. Umso dringlicher ist es, Kinder bereits im Grundschulalter für dieses Thema zu sensibilisieren und ihnen erste Strategien für einen kritischen Umgang mit digitalen Inhalten zu vermitteln. 

Dieser Beitrag richtet sich an Grundschullehrkräfte sowie Fachkräfte der Schulsozialarbeit und stellt das Unterrichtsmodul „Ist das fake? – Erkennen von Desinformation im Internet“ vor. Das Modul ist für die Klassenstufen 3 und 4 konzipiert und umfasst eine Doppelstunde. Es ist Teil unseres Kindermedienschutzcurriculums, das wir in Kooperation mit vier Esslinger Grundschulen entwickelt haben und zurzeit implementieren. 

Das Modul knüpft an mehrere Leitperspektiven und Kompetenzen des Bildungsplans Baden-Württemberg an. Insbesondere werden Aspekte der Medienbildung, Demokratiebildung sowie Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt aufgegriffen. Die Schülerinnen und Schüler lernen, Medienangebote kritisch zu hinterfragen, Informationen zu bewerten und verantwortungsvoll mit digitalen Inhalten umzugehen.  

Der Fake Finder Kids als zentrales Element 

Kernstück der Doppelstunde ist der Fake Finder Kids des Südwestrundfunks (SWR). Dabei handelt es sich um ein interaktives Online-Quiz, in dem Kinder mit realen Inhalten aus sozialen Medien konfrontiert werden. Sie entscheiden, ob es sich bei einem Beitrag möglicherweise um Werbung, Kettenbriefe oder Bildtricks handelt. 

Begleitet werden sie von den Avataren Mona und Henri, die durch das Quiz führen, die Themen kindgerecht erklären und Hintergrundwissen zu den einzelnen Filmsequenzen liefern. Zu Beginn jeder Kategorie erfolgt eine Einführung, sodass keine umfangreiche Vorentlastung notwendig ist. 

Organisatorischer und didaktische Rahmenbedingungen für die Durchführung 

Wir haben den Fake Finder Kids mit einem halben Klassensatz Tablets durchgeführt. Dabei ist zu beachten: 

  • Kopfhörer sind zwingend notwendig, da die Informationen überwiegend auditiv vermittelt werden. 
  • Eine stabile Internetverbindung ist erforderlich. 

Für eine gelingende Durchführung haben sich folgende Absprachen bewährt: 

  • Videos immer vollständig anschauen 
  • Gemeinsam eine Entscheidung treffen 

So wird vermieden, dass vorschnelle Entscheidungen getroffen werden oder einzelne Kinder ungeplant für die Gruppe handeln. 

Hier finden Sie unsere sämtlichen Materialien des Unterrichtsmoduls inklusive eines detaillierten Ablaufplans sowie einer Präsentation mit Screenshots des Fakefinder Kids. 

Der SWR stellt ergänzend einen Infobogen für Lehrkräfte bereit. Dieser enthält Hintergrundinformationen, Hinweise zur Durchführung sowie ein zusätzliches Arbeitsblatt zur Vertiefung. 

Unsere Erfahrungen aus der Praxis

Die Arbeit mit dem Fake Finder Kids war insgesamt sehr positiv. Die Kinder waren hoch motiviert und arbeiteten konzentriert. Besonders reizvoll war für sie, dass der Fake Finder mit realen Inhalten aus bekannten Social-Media-Apps arbeitet und damit an ihre Lebenswelt anknüpft. 

Ein kleiner inhaltlicher Kritikpunkt betrifft die Kategorie „Bildtricks“. Kameratricks wie erzwungene Perspektiven oder Bildausschnitte werden hier als Bildtricks gewertet, während Filmmontagen oder Bild-in-Bild-Schnitte nicht dazugehören. Diese Abgrenzung ist für Kinder nicht immer nachvollziehbar und führte stellenweise zu Irritationen. 

Ergänzung: Vertrauenswürdigkeit von Nachrichten einschätzen 

Da im Fake Finder Kids klassische Falschnachrichten nur am Rand vorkommen, haben wir unser Modul um eine zusätzliche Arbeitsphase ergänzt. In einem eigens entwickelten Arbeitsblatt werden die Kinder mit einer fiktiven Falschnachricht aus dem Schulkontext konfrontiert. Dabei orientieren wir uns am Ansatz des Berliner Vereins codetect. Hierbei geht es darum, Nachrichten kriteriengeleitet auf ihre Vertrauenswürdigkeit zu prüfen. In unserem Beispiel werden die beiden Kriterien Quelle und Inhalt untersucht. Mithilfe von fünf Leitfragen werden die Kinder schrittweise zur Einschätzung geführt. Thematisiert werden unter anderem: 

  • unbekannte oder unklare Urheber 
  • emotionalisierende Sprache und Übertreibungen 
  • Rechtschreibfehler als mögliches Warnsignal 
  • Nachrichten zuerst auf Plausibilität prüfen 
  • Aufforderungen zur schnellen Weiterleitung 

Diese Übung stärkt das reflektierte Nachdenken und macht deutlich, dass nicht jede weitergeleitete Nachricht vertrauenswürdig ist. 

Fazit

Das Modul „Ist das fake?“ bietet Grundschullehrkräften und der Schulsozialarbeit eine praxisnahe Möglichkeit, das Thema Desinformation altersgerecht in Klasse 3 und 4 zu behandeln. Der Fake Finder Kids überzeugt durch seine Nähe zur Lebenswelt der Kinder und eignet sich hervorragend als Einstieg. Durch die ergänzende Arbeitsphase zur Vertrauenswürdigkeit von Nachrichten wird das Thema erweitert. Zur Differenzierung und weiteren Vertiefung empfehlen wir das Kika-Video “Fake News und Deep Fakes”. 

Sie möchten das Kindermedienschutzcurriculum an Ihrer Schule einsetzen oder haben Interesse an einer Zusammenarbeit? 
Dann wenden Sie sich gerne an uns .Wir beraten Schulen und Schulsozialarbeitende, stellen Materialien zur Verfügung und unterstützen bei der Umsetzung im Unterricht.