
21. Mai 2026: Ein Roboter fährt rückwärts direkt aus dem Ring. Ein anderer bleibt mitten im Kampf stecken. Der vermeintliche Favorit kippt schon nach wenigen Sekunden um – und trotzdem jubeln alle. Genau so soll es bei einem Hebocon sein.
Im Rahmen unserer Tüftel-AG haben Schülerinnen und Schüler mit den Tüftelbausteinen von Steven Marx eigene Hebocon-Roboter entwickelt und anschließend ein Turnier durchgeführt. Dabei wurde schnell deutlich: Gerade die unperfekten Konstruktionen sorgten für die größten Überraschungen und die meisten Lacher.
Was ist Hebocon – und warum passt das zu Making?
Hebocon ist ein humorvoller Robotik-Wettbewerb, bei dem unperfekte, improvisierte oder skurrile Roboter gegeneinander antreten. Ziel ist nicht technische Perfektion, sondern kreative Problemlösung, Chaos und Spaß. Auf den ersten Blick wirkt ein Wettbewerb mit Regeln und Siegerinnen oder Siegern vielleicht ungewöhnlich im Kontext von Maker Education. Schließlich geht es dort weniger um Leistung und Bewertung als um selbstbestimmtes Lernen, Kreativität und Experimentieren. Tatsächlich passt Hebocon jedoch erstaunlich gut zu Making, denn zentrale Elemente von Maker Education sind hier unmittelbar erlebbar:
- Lernen durch eigenes Bauen und Experimentieren
Ideen werden direkt ausprobiert, verworfen und verbessert. - Fehlerfreundlichkeit und Scheitern als Teil des Prozesses
Ein umkippender Roboter ist kein Misserfolg, sondern oft der Ausgangspunkt für bessere Lösungen. - Kreative und offene Problemlösung
Es gibt keine „richtige“ Konstruktion – jedes Team findet eigene Wege. - Motivation durch ein gemeinsames Ziel
Der Wettbewerbscharakter sorgt für Spannung, ohne zwangsläufig Leistungsdruck zu erzeugen.
Gerade dieser letzte Punkt war für unsere AG besonders spannend: Der Wettkampf motivierte viele Schülerinnen und Schüler sichtbar, ihre Ideen zu überarbeiten und auszuprobieren.
Damit der Wettbewerbscharakter trotzdem spielerisch blieb, führten wir zusätzlich eine B-Note ein: Jede Person durfte Punkte an den Roboter vergeben, der ihr besonders gut gefiel – allerdings nicht an den eigenen. So wurden nicht nur Kampfstärke, sondern auch Humor, Kreativität und außergewöhnliche Ideen sichtbar wertgeschätzt.

Hebocon mit Tüftelbausteinen
Unser Hebocon entstand nicht als Einzelprojekt, sondern bildete den motivierenden Höhepunkt einer längeren Arbeitsphase in der Tüftel-AG. In den Wochen zuvor hatten sich die Schülerinnen und Schüler bereits intensiv mit den Tüftelbausteinen vertraut gemacht. Sie konstruierten Brücken, Türme und Fahrzeuge und lernten dabei die grundlegenden Mechaniken kennen. Anschließend beschäftigten sie sich mit dem Microcontroller Micro:bit, programmierten erste Anwendungen und machten ihre Fahrzeuge „smart“. Der Hebocon bot schließlich eine konkrete Herausforderung, bei der Mechanik, Konstruktion, Programmierung und Kreativität zusammenkamen. Den Teams standen sämtliche Tüftelbausteine und Hölzer frei zur Verfügung. Ergänzt wurden diese durch:
- Micro:bit, Motortreiber und 9V-Block
- DC-Motoren mit und ohne Getriebe
- Servo-Motoren (180° und 360°)
- zusätzliche Materialien für Gestaltung und Dekoration wie Pappe, Farben oder Styroporkugeln
Wichtig war uns dabei eine klare Regel: Zusätzliche Materialien durften zwar genutzt werden, sollten aber nicht dauerhaft mit den Tüftelbausteinen oder Hölzern verklebt werden. So wollten wir einerseits anspruchslose „Heißkleberlösungen“ vermeiden und andererseits sicherstellen, dass sämtliche Bauteile später wiederverwendet werden konnten.
Unsere Regeln – angepasst an die AG
Grundsätzlich orientierten wir uns an den klassischen Hebocon-Regeln: Ziel ist es, den gegnerischen Roboter aus einem Ring zu schieben oder ihn zum Umkippen zu bringen. Beide Roboter starten gleichzeitig von gegenüberliegenden Seiten des Spielfeldes (100cm x 50cm). Verlässt ein Roboter den Ring oder kippt um, gilt die Runde als verloren. In klassischen Hebocon-Wettbewerben gibt es Strafpunkte für zu ausgeklügelte oder „smarte“ Konstruktionen. Für unsere AG entschieden wir uns bewusst für einen anderen Schwerpunkt: Technische Lösungen waren ausdrücklich erwünscht. Daher galt bei uns:
- Alle Motoren mussten über einen Micro:bit gesteuert werden.
- Die Konstruktion musste auf Tüftelbausteinen und Holz basieren.
- Zusätzliche Materialien waren erlaubt – aber möglichst rückbaubar.
- Zwischen den Kämpfen durften kleine Reparaturen und Verbesserungen vorgenommen werden.
Gerade diese kurzen Reparaturpausen erwiesen sich als pädagogisch besonders wertvoll: Teams analysierten spontan Schwächen, passten Konstrukionen an und änderten teilweise sogar noch ihre Programmierung.
Selbst entwickelte Bauteile: schneller zum funktionierenden Roboter
Damit die Schülerinnen und Schüler möglichst schnell ins Konstruieren kamen, entwickelten wir einige spezielle Ergänzungen für die Tüftelbausteine. Zum einen entstand eine Micro:bit-Box, in der Micro:bit, Motortreiber und 9V-Block mit Gummibändern fixiert werden konnten. Durch passende Aussparungen ließ sich die Box direkt in Konstruktionen mit Holzstäbchen integrieren.
Zusätzlich entwickelten wir eine Motor-Halterungfür Getriebemotoren, das ebenfalls direkt in die Konstruktionen eingebaut werden konnte. Diese kleinen Hilfsmittel sorgten dafür, dass weniger Zeit in provisorische Halterungen floss – und mehr Zeit für kreative Ideen blieb.
Die Challenge: Zwei Stunden Zeit
Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten in Zweierteams und hatten zwei Stunden Zeit, um ihren Hebocon-Roboter zu bauen und zu programmieren. Zur Unterstützung erhielten die Teams vier Leitfragen:
1. Welche einfache, aber stabile Grundidee sorgt dafür, dass unser Roboter sich zuverlässig bewegt?
2. Wie bleibt unser Roboter im Ring stabil und kippt nicht leicht um?
3. Welche Programmierung könnte den Roboter im Kampf unterstützen?
4. Was macht unseren Roboter besonders interessant oder unterhaltsam?
Nach zwei intensiven Stunden voller Tüftelei, Diskussionen, Fehlversuche und spontaner Ideen verwandelte sich die Werkstattatmosphäre plötzlich in Wettkampfstimmung. In unserem Turnier traten anschließend alle Roboter in einer Hin- und Rückrunde gegeneinander an.
Überraschende Learnings aus dem Turnier
Besonders spannend war, welche Erkenntnisse die Schülerinnen und Schüler aus ihren eigenen Erfahrungen zogen. Viele Teams bemerkten schnell, dass niedrige und flache Roboter deutlich stabiler waren als hohe Konstruktionen. Beeindruckend aussehende Aufbauten kippten oft überraschend schnell um. Auch die Antriebe spielten eine wichtige Rolle: Zwei Motoren erwiesen sich meist als kraftvoller und zuverlässiger als einfachere Konstruktionen. Eine besonders erfolgreiche Strategie bestand darin, gegnerische Roboter von unten leicht auszuhebeln, statt sie nur frontal zu schieben. Fast nebenbei entstanden dabei Gespräche über technische Zusammenhänge wie Stabilität, Schwerpunkt, Kraftübertragung oder Reibung – ganz ohne klassischen Theorieinput.
Warum wir eine Hebocon jederzeit wieder durchführen würden
Die Motivation während des Projekts war außergewöhnlich hoch. Das gemeinsame Ziel – ein funktionierender Roboter und das spätere Turnier – sorgte dafür, dass Teams immer wieder neue Ideen ausprobierten, Fehler analysierten und Verbesserungen umsetzten. Wichtig war dabei, den Wettbewerbscharakter bewusst klein zu halten:
- der Spaß stand immer im Mittelpunkt,
- Reparaturen und Verbesserungen waren ausdrücklich erlaubt,
- kreative Ideen wurden durch die B-Note sichtbar belohnt.
Unser Wettkampf war dadurch nie verbissen oder übermäßig kompetitiv. Im Gegenteil: Besonders eindrücklich war ein Moment, in dem ein Schüler einem gegnerischen Team half, seinen kaputten Roboter zu reparieren – mitten im Wettbewerb. Vielleicht ist genau das die größte Stärke einer Hebocon im Bildungskontext: Es geht nicht darum, den perfekten Roboter zu bauen. Es geht darum, gemeinsam zu tüfteln, zu lachen, zu scheitern, weiterzumachen – und dabei eine Menge zu lernen.
Sie haben Interesse einen Hebocon-Wettbewerb an Ihrer Schule durchzuführen? Gern unterstützen wir Sie dabei und freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.