
23. Januar 2026: Jugendmedienschutz im Zusammenhang mit sozialen Medien ist ein sehr aktuelles Thema. Politische Maßnahmen zur Durchsetzung von Altersbeschränkungen – etwa das aktuelle Social-Media-Verbot in Australien – sind wichtige und notwendige Schritte. Gleichzeitig zeigt sich jedoch: Regeln allein reichen nicht aus, um Kinder und Jugendliche wirksam zu schützen.
Damit Schülerinnen und Schüler sicher und selbstbewusst mit digitalen Medien umgehen können, müssen ihre Medienkompetenzen frühzeitig gestärkt werden. Eine zentrale Rolle spielen dabei präventive Bildungsangebote in der Schule.
Seit Beginn dieses Schuljahres entwickeln wir deshalb gemeinsam mit vier Esslinger Grundschulen ein Kindermedienschutzkonzept für die dritten und vierten Klassen. Ziel des Projekts ist es, leicht umsetzbare Unterrichtsmodule zu entwickeln, die auch von Lehrkräften und Schulsozialarbeitenden ohne spezielle medienpädagogische Vorkenntnisse durchgeführt werden können.
Die Materialien sind dafür praxisnah, übersichtlich und modular aufgebaut. Sie lassen sich flexibel in den Unterricht integrieren und knüpfen inhaltlich an den Sach- und Deutschunterricht sowie an die Leitperspektive Medienbildung an.
Die vier Unterrichtsmodule des Kindermedienschutzcurriculums
Das Curriculum besteht aus vier Unterrichtsmodulen, die jeweils für eine Doppelstunde konzipiert sind:
- Medien und ich – Reflexion der eigenen Mediennutzung
- Meine Daten im Netz – Umgang mit persönlichen Daten
- Chats und mehr – Verhalten im Chat und Handlungsmöglichkeiten
- Ist das fake? – Erkennen von Desinformation im Internet
Alle Module werden derzeit gemeinsam mit den Klassenlehrkräften und der Schulsozialarbeit in allen dritten Klassen der Kooperationsschulen erprobt. Ziel dieser Phase ist es, die Materialien im Unterricht zu testen und sie auf Grundlage der gemachten Erfahrungen schrittweise weiterzuentwickeln. Mittel- und langfristig sollen die Schulen das Kindermedienschutzcurriculum eigenständig durchführen können.
In den kommenden Wochen stellen wir hier im Blog alle vier Unterrichtsmodule vor und teilen die dazugehörigen Unterrichtsmaterialien. Den Anfang macht diese Woche das Modul „Chats und mehr“.
Ziel des Moduls ist es, Kindern zu vermitteln,
- was Chatten eigentlich ist,
- welche Probleme und Risiken dabei auftreten können und
- wie sie angemessen auf schwierige Situationen reagieren können.
Den Verlaufsplan, die Präsentation und das Arbeitsblatt des Moduls, können Sie hier herunterladen.
Die WebApp „Plauderplatz“ des Internet-ABC
Im Mittelpunkt des Moduls steht die WebApp „Plauderplatz“ des Internet-ABC. Die Anwendung ist zwar bereits seit 2016 online, hat jedoch nichts von ihrer Aktualität verloren. Sie bietet weiterhin eine anschauliche und handlungsorientierte Möglichkeit, Grundschulkinder für das Thema Chatten zu sensibilisieren.
Der Plauderplatz ist ein Chatspiel, bei dem die Kinder pro Spielrunde mit acht von insgesamt 14 möglichen Chatsituationen konfrontiert werden. Einige Nachrichten sind harmlos, viele enthalten jedoch problematische Inhalte wie Beleidigungen, Drohungen, Aufforderungen zur Weitergabe persönlicher Daten oder Kontaktanfragen von Fremden.
Zu jeder Chatsituation stehen drei Antwortmöglichkeiten zur Auswahl. Angemessene Reaktionen werden mit Pluspunkten, unangemessene mit Minuspunkten bewertet. Außerdem können Nutzerinnen und Nutzer gemeldet oder blockiert sowie Chatgruppen verlassen werden.
Jede Entscheidung wird von Jumpy, einer der Figuren des Internet-ABC, kommentiert und erklärt. Zwischendurch lockern Emoji-Quizzes das Spiel auf.
Für die Durchführung werden benötigt:
- Tablets,
- eine Internetverbindung und
- Kopfhörer.
Die Kopfhörer sind sinnvoll, da Jumpys Erklärungen auch als Audiodateien abgespielt werden. Das Spiel ist zwar auch ohne Kopfhörer nutzbar, dann müssen die Kinder jedoch deutlich mehr Text lesen.
Erfahrungen aus der Praxis
Eine Spielrunde dauerte bei unseren Drittklässlerinnen und Drittklässlern etwa 20 bis 25 Minuten. Schnellere Teams spielten anschließend einfach eine weitere Runde. Besonders motivierend war dabei der Versuch, mehr Punkte als beim ersten Durchlauf zu erreichen und weitere Chatsituationen kennenzulernen.
Insgesamt wurde der Plauderplatz von den Kindern sehr positiv aufgenommen. Vereinzelt kam es jedoch bei den Emoji-Quizzes zu Frust. Die richtigen Antworten, zum Teil englische Begriffe, müssen eingetippt werden, wobei Kindern häufig Rechtschreibfehler unterlaufen. Das Programm reagiert hier strikt und akzeptiert nur exakt eingegebene Antworten.
Vor dem Spielen haben sich folgende Hinweise an die Kinder bewährt:
- Der Plauderplatz ist ein Computerspiel – es werden keine echten Chatnachrichten empfangen.
- Bei Partnerarbeit: Die Kinder lesen die Chatsituationen abwechselnd vor und entscheiden gemeinsam.
- Nicht auf „Schließen“ oder außerhalb des App-Bereichs tippen, da das Spiel sonst neu startet.
- Nicht wischen oder zoomen, da sonst Inhalte abgeschnitten werden können. Wenn es trotzdem dazu kommt, hilft es, das Tablet kurz zu drehen.
- Die Emoji-Quizzes erst ganz zum Schluss beantworten.
Auswertung und Reflexion im Klassenverband
Nach dem Spiel wurden einzelne Chatsituationen gemeinsam im Klassenverband besprochen. Durch das Punktesystem bewertet die App die Antworten eindeutig. Diese Bewertung lässt sich gut für die Diskussion nutzen, zum Beispiel mit Fragen wie:
„Warum glaubst du, gibt es einen Minuspunkt dafür, wenn Du auf eine Beleidigung mit einer Beleidigung reagierst?“
So entsteht ein Gespräch über angemessenes Verhalten, ohne dass die Lehrkraft belehrend auftreten muss. Insgesamt sollten mindestens drei bis vier Chatsituationen besprochen werden, die sich mit folgenden Themen befassen:
- Beleidigungen und Drohungen,
- Cybergrooming und
- dem Schutz persönlicher Daten.
Dabei sollten folgende Handlungsstrategien herausgearbeitet werden:
- klare Grenzen setzen, ohne selbst zu beleidigen oder zu drohen,
- misstrauisch gegenüber fremden Kontakten sein,
- sich bei Problemen an Erwachsene wenden,
- problematische Nutzer blockieren oder melden.
Zum Abschluss sammelten wir gemeinsam mit den Kindern sinnvolle Chatregeln. Die Kinder überlegten sich dazu paarweise jeweils drei Regeln. Diese wurden anschließend von der Lehrkraft gesammelt, zusammengefasst und gebündelt. So entstand ein gemeinsamer Regelkatalog für respektvolles und sicheres Chatten.
Sie möchten das Kindermedienschutzcurriculum an Ihrer Schule einsetzen oder haben Interesse an einer Zusammenarbeit?
Dann wenden Sie sich gerne an uns .Wir beraten Schulen und Schulsozialarbeitende, stellen Materialien zur Verfügung und unterstützen bei der Umsetzung im Unterricht.