
05. November 2026: Plastikflaschen, Verpackungen und Fischernetze: In unseren Meeren sammelt sich immer mehr Müll. Die Folgen für Tiere und Ökosysteme sind erheblich. Eine im Juni 2026 von der EU-Kommission vorgestellte Forschungsarbeit zeigt, dass Plastikmüll Meereslebewesen auf unterschiedliche Weise gefährdet. Tiere können sich darin verfangen oder Kunststoffteile mit Nahrung verwechseln.
Wie wir Müll vermeiden, richtig entsorgen und wiederverwerten können, ist deshalb auch ein wichtiges Thema im Sachunterricht der Grundschule. Der Bildungsplan Baden-Württemberg sieht für die Klassen 3 und 4 ausdrücklich die Auseinandersetzung mit Abfallvermeidung, Abfalltrennung und Recycling vor. Gleichzeitig ist das Thema anschlussfähig an die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen.
In unserer Making-AG wollten wir das Thema mit einer kreativen Konstruktions- und Programmieraufgabe verbinden: Wie könnte eine Maschine aussehen, die dabei hilft, unsere Meere vom Müll zu befreien? Als Werkzeug stand den Drittklässlern das Lego Spike Essential Set zur Verfügung.
Vom Umweltproblem zur eigenen Erfindung
Zum Einstieg schauten wir gemeinsam einen Ausschnitt aus der Checker-Tobi-Folge „Der Müll-Check“. Darin erfährt Tobi von einer Naturschutzexpertin, wie Müll ins Meer gelangt und welche Folgen das für die dort lebenden Tiere hat. In einem anschließenden Unterrichtsgespräch fassten wir die wichtigsten Erkenntnisse zusammen. Danach erhielten die Kinder ihren Konstruktionsauftrag: Sie sollten eine Maschine entwickeln, die einen Beitrag zur Lösung des Müllproblems leisten könnte.
Die Aufgabe war bewusst offen formuliert. Denkbar wäre beispielsweise ein Boot gewesen, das Müll aus dem Wasser sammelt. Ebenso hätte eine Maschine entstehen können, die Strände reinigt oder Abfälle bereits in Flüssen abfängt, bevor sie das Meer erreichen. Trotz dieser Offenheit entschieden sich alle Teams für die Entwicklung eines Müllsammelboots.

Planen, bauen und programmieren
Die Kinder hatten in den vorangegangenen Workshops bereits grundlegende Erfahrungen mit Lego Spike Essential gesammelt. Sie kannten den Umgang mit Motoren, Sensoren und Soundeffekten und konnten eigene Programme erstellen. In früheren Projekten hatten sie unter anderem Fahrroboter programmiert und tragbare technische Erweiterungen für den eigenen Arm entwickelt. Nun sollten sie diese Kenntnisse nutzen, um eine eigene Erfindung umzusetzen. Dabei ging es nicht nur darum, eine möglichst eindrucksvolle Maschine zu bauen. Sie musste auch programmiert werden und mindestens eine Funktion besitzen, die zur Lösung des Müllproblems beitragen sollte.
Ein Arbeitsblatt half den Teams bei der Planung. Zunächst sollten sie ihrer Maschine einen Namen geben und überlegen, welche Aufgabe sie übernehmen könnte. Anschließend mussten sie entscheiden, welche elektronischen Bauteile sie dafür benötigen. Zur Auswahl standen Motoren, Farbsensor, Gyrosensor, Lichtmatrix und Soundeffekte. Dabei galten zwei technische Vorgaben: Beide Anschlüsse am Lego-Hub mussten belegt sein, und Soundeffekte durften höchstens zwei Sekunden dauern. Außerdem sollten die Kinder beschreiben, was ihre Maschine macht und wie sie damit zur Lösung des Müllproblems beiträgt. Für erste Skizzen und Notizen war ebenfalls Platz vorgesehen. So mussten sich die Teams bereits vor und während des Bauens mit dem Zusammenhang zwischen ihrer Idee, der Konstruktion und der Programmierung auseinandersetzen.
Nicht alles muss wirklich funktionieren
Natürlich sind die technischen Möglichkeiten von Lego Spike Essential begrenzt. Ein Müllsammelboot, das tatsächlich selbstständig über das Meer fährt und Plastik von Meerespflanzen unterscheiden kann, lässt sich mit dem Set nicht bauen. Das war aber auch nicht das Ziel. Vielmehr sollten die Kinder überlegen, wie eine solche Maschine grundsätzlich funktionieren könnte und wie sich ihre Funktionen mit den vorhandenen Bauteilen darstellen lassen.
Besonders deutlich wurde das bei einem Team, das eine automatische Müllsortier- und Vernichtungsanlage entwickelte. Ein Farbsensor erkannte ein Objekt, das auf einem Förderband vorbeigeführt wurde. Wurde es als Müll erkannt, setzte sich ein Motor mit roten Legosteinen in Bewegung. Diese symbolisierten eine Verbrennungsanlage. Die Idee dahinter: Meerestiere und Meerespflanzen sollten ungehindert passieren können, während der Müll erkannt und entfernt wird. Die roten Legosteine verbrannten selbstverständlich keinen echten Müll. Sie machten lediglich sichtbar, was sich die Kinder als Funktion ihrer Maschine vorgestellt hatten. Auch die Unterscheidung zwischen Müll und Lebewesen wurde mithilfe des Farbsensors nur vereinfacht simuliert. Diese symbolische Darstellung war ausdrücklich erwünscht. Entscheidend war, dass sich die Kinder eine technische Lösung überlegten und diese mit einer passenden Programmierung nachvollziehbar machten.

Technik & Kreativität
Bei der Umsetzung entstanden ganz unterschiedliche Konstruktionen. Manche Teams konzentrierten sich vor allem auf die technischen Funktionen ihrer Müllboote. Andere legten zusätzlich großen Wert auf deren Gestaltung. So setzten einige Kinder ihre Boote auf Stelzen und gestalteten darunter eine eigene Unterwasserlandschaft. Dadurch wurde nicht nur das Müllsammelboot selbst sichtbar, sondern auch die Umgebung, in der es später einmal eingesetzt werden sollte. Das Projekt entwickelte sich damit zu einer Verbindung aus Technik, Programmierung und kreativem Gestalten. Die Kinder mussten überlegen, wie ihre Maschine aufgebaut sein sollte, welche Bewegungen oder Signale sie benötigte und wie sich ihre Vorstellungen mit den vorhandenen Legosteinen umsetzen ließen.
Zum Abschluss präsentierte jedes Team sein Müllboot und erklärte den anderen Kindern, welche Aufgabe die Maschine übernehmen sollte und wie ihre Funktionen umgesetzt wurden. Damit ging es nicht allein um das fertige Modell. Die Kinder mussten auch verständlich machen, welche Idee hinter ihrer Konstruktion steckte und welchen Beitrag diese zur Bekämpfung der Meeresvermüllung leisten könnte. Gerade bei den symbolisch dargestellten Funktionen war diese Erklärung wichtig.
Zeitlicher Umfang und Fazit
Für Klassen, die bereits grundlegende Erfahrungen mit Lego Spike Essential und seiner Programmierung gesammelt haben, sollten etwa zwei bis drei Unterrichtsstunden eingeplant werden.
Das Projekt verbindet mehrere Lernbereiche miteinander. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich mit einem aktuellen Umweltproblem, entwickeln eigene Lösungsideen und setzen diese mithilfe digitaler Technik um. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht perfekte technische Modelle, sondern das kreative Problemlösen. Die Kinder müssen Funktionen planen, passende Bauteile auswählen, Konstruktionen entwickeln und diese programmieren. Gleichzeitig können sie ihre gestalterischen Ideen einbringen und lernen, ihre technischen Überlegungen zu erklären. Das Beispiel zeigt, wie sich Bildung für nachhaltige Entwicklung, informatische Grundbildung und kreatives Making sinnvoll miteinander verbinden lassen – und wie aus einem Umweltproblem eine spannende Konstruktionsaufgabe für die Grundschule wird.
Haben Sie Fragen zum Projekt, wünschen Sie Unterstützung bei der Durchführung oder möchten Sie LEGO Education Sets aus unserem Verleih nutzen? Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme!